Humboldt-Schloss Burgörner
Anlässlich des Festaktes am 28. Mai 2011, an dem die Humboldt-Gesellschaft im Rahmen ihrer Frühjahrstagung offiziell teilnahm, wurde die gestiftete Namenstafel feierlich enthüllt.
Das Humboldt-Schloss beherbergt nach wie vor das Mansfeld-Museum, das die Geschichte des Kupferschieferbergbaus dokumentiert, aber auch sehr subtil auf die Familien von Humboldt und von Dacheroeden eingeht. Die „erste deutsche Dampfmaschine“ („Feuermaschine Wattscher Bauart“) im Nebengebäude ist eine besondere Sehenswürdigkeit. Hier besteht eine Verbindung zu Alexander von Humboldt, der als Bergassessor im Wege seiner naturwissenschaftlichen Forschungen berufsbedingt 1791 nach Burgörner kam.
Gedenktafel der Humboldt-Gesellschaft
am Humboldt-Schloss Burgörner
Bürgermeister Lautenfeld vor der
verhüllten Gedenktafel
Enthüllte Gedenktafel
Die Humboldt-Gesellschaft
am Humboldt-Schloss Burgörner
Wilhelm und Alexander von Humboldt Gymnasium
(Hettstedt)
Prof. Dr. Dr. Dagmar Hülsenberg, im Auftrag des Präsidiums der Humboldt-Gesellschaft am 24. August 2011 in Hettstedt
Vor ¼ Jahr enthüllte die Humboldt-Gesellschaft, die ich heute hier vertreten darf, am Sitz des Mansfeld-Museums eine Tafel mit dem Namen „Humboldt-Schloss“. Auch heute wird die Humboldt-Gesellschaft den feierlichen Akt der Benennung Ihres Gymnasiums in „Wilhelm und Alexander von Humboldt Gymnasium“ mit der Stiftung einer Namenstafel am Eingang würdigen.
Die Humboldt-Gesellschaft fühlt sich entsprechend ihrer Satzung der „Förderung von Wissenschaft, Kunst und Bildung“ verpflichtet. Dabei beruft sie sich in sonst nirgends vorhandener Weise gleichzeitigauf das Wirken sowohl von Wilhelm als auch von Alexander von Humboldt. Analog wollen Sie, die Lehrenden und die Lernenden, sich verhalten, wenn Sie in Zukunft jeden Werktag durch die Tür des „Humboldt Gymnasiums“ treten. Das ist ein großer Anspruch.
Wie Wilhelm von Humboldt die Geisteswissenschaften und Alexander von Humboldt die Natur- und – in den Anfängen – die Ingenieurwissenschaften repräsentieren und beide ein Leben lang miteinander kommuniziert haben, will unsere Gesellschaft zwischen Wissenschaft, Kunst und Bildung, aber auch zwischen Jung und Alt sowie akademisch hoch Dekorierten und Autodidakten Brücken bauen, um aus dieser Synergie Wege für die Bewältigung von aktuellen Problemen aufzeigen. Dass es dabei nicht möglich ist, Erkenntnisse vom Ende des 18. sowie Anfang des 19. Jahrhunderts Eins zu Eins zu übernehmen, sondern notwendig ist, die Ideen und Vorschläge weiterzuentwickeln, versteht sich von selbst. Vor allem Sie, meine jungen Damen und Herren, sind aufgerufen, das humanistische Weltbild der Humboldts in die Moderne zu übertragen!
Die Humboldt-Gesellschaft feiert im nächsten Jahr ihren 50. Geburtstag. Unsere Mitglieder kommen aus der Wissenschaft, der Lehre, der Medizin, der Journalistik und den verschiedenen Gebieten der schönen Künste. Wie jede Gesellschaft wünschen wir uns Nachwuchs. Wenn Sie Lust auf eine Mitgliedschaft haben – sie ist für Gymnasiasten kostenlos, und auch Studenten zahlen nur 10 €/Jahr. Im Vorfeld des heutigen Anlasses haben Sie bestimmt über das Wirken Ihrer beiden Namensgeber viel erfahren. Ich will deshalb nur betonen, dass beide in einen Zeitabschnitt hineingeboren sind, der tiefgreifende Umwälzungen heranreifen ließ. Das betrifft sowohl die gesellschaftspolitische als auch die technische Seite.
Wilhelm von Humboldt hat hier nicht nur seine Caroline das erste Mal getroffen, sondern auch die Grundlagen zu seiner Staatstheorie und die damit verbundenen Aufgaben zur Bildung erarbeitet. Als späterer preußischer Kulturpolitiker reorganisierte er das preußische Bildungswesen und schuf die Grundlagen für den Typ des humanistischen Gymnasiums. Im Ergebnis seiner Tätigkeit entstand 1810 die Berliner Universität, die jetzt Humboldt-Universität heißt. Die auf ihn zurückgehende Forderung nach der „Einheit von Lehre und Forschung“ hat auch heute noch nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Der „Bologna-Prozess“ zwingt uns alle, wieder neu über die von Wilhelm von Humboldt angestoßene Bildungsreform nachzudenken.
An Alexander von Humboldt fällt auf, dass er, ausgehend von seinen naturwissenschaftlichen Neigungen und seinem inneren Drang, die Welt zu erkunden, an fachlichem Wissen in sich aufgesogen hat, was er nur irgend erlangen konnte. Ein Fach abzuwählen, wie es heute üblich und gelegentlich sogar vorgeschrieben ist, wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Er wollte die Welt ganzheitlich erfassen, was ihm in seinem Lebenswerk hervorragend gelungen ist. Dabei musste er Ländergrenzen überwinden. Es ist aus heutiger Sicht fast ein Bonmot: Um an der Königlich-Sächsischen Bergakademie in Freiberg Bergbau studieren zu dürfen, musste er als aus Preußen kommender „Ausländer“ erst eine wissenschaftliche Belegarbeit vorlegen, quasi eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Durch seine bis dahin erworbene, hervorragende humanistische und naturwissenschaftliche Vorbildung gelang ihm dies bestens.
Lassen Sie mich noch kurz auf das Hettstedter Alleinstellungsmerkmal eingehen: In Burgörner arbeitete seit 1785 die erste deutsche Dampfmaschine Watt‘scher Bauart. Sie läutete die industrielle Revolution in deutschen Landen ein. Alexander von Humboldt erinnerte sich 1792, also 7 Jahre später, an diese Dampfmaschine, als er dem Preußischen Bergbau- und Hüttendepartement in Berlin Vorschläge zur Verbesserung der Befeuerung von Öfen für die Steingutherstellung in Rheinsberg unterbreitete. Gleichzeitig erarbeitete Wilhelm von Humboldt, wie schon eingangs gesagt, auf Burgörner sein Staatskonzept. Es gibt also, wenn wir einmal von Berlin absehen, keinen Ort in Deutschland, wo sich das Schaffen der beiden großen Gelehrten so offensichtlich verknüpft. Dass die Dampfmaschine mit ihren letztendlich nur 20 kW Leistung auchso viel leidenschaftliche, dauerhafte Liebe zwischen Caroline und Wilhelm zur Folge hatte, macht Hettstedt so sympathisch wie einmalig.
Auf einen weiteren Aspekt ist zu verweisen. Als Wilhelm von Humboldt an seiner Staatstheorie arbeitete, war er gerade erst wenig über 20 Jahre alt. Alexander von Humboldt unterbreitete seine Vorschläge für die Verbesserung der Keramikfertigung und des Bergbaus in Preußen, als er zwischen 22 und 24 Jahre alt war. Und Carl Friedrich Bückling erklärte sich 26jährig zum Bau der Dampfmaschine bereit und setzte sie 29jährig in Betrieb. Das bedeutet, dass in der Vergangenheit gerade junge Menschen das Neue auf den Weg gebracht haben. Das sollte auch für Sie, die Sie dem Abitur zustreben, Verpflichtung sein. Die Zeit, in der Sie das Gymnasium besuchen, ist die Zeit des primären Erwerbs von Bildung. Diese Zeit maximal zu nutzen, sollte selbstverständlich sein. Darauf kann das Studium – egal welches – aufbauen. Es wäre nicht im Sinne der Humboldts, deren Namen Ihr Gymnasium in Zukunft trägt, diese Zeit zu vertrödeln.
Warum beschäftige ich mich besonders mit Alexander von Humboldt? Ich habe in Sonneberg/Thüringen das Herstellen von Hochspannungsporzellan als Beruf erlernt und später an der Bergakademie Freiberg Silikathüttenkunde studiert, d.h. mich mit der Herstellung von Keramik, Glas und Baustoffen beschäftigt. Das, was ich dort gelernt habe, hat mir mein Leben lang genützt. Am Haus, in dem Alexander von Humboldt in Freiberg wohnte, bin ich, der Zufall wollte es, jeden Tag vorbeigegangen. Wir wurden aber auch im Studium an geeigneten Stellen darauf hingewiesen, was Alexander von Humboldt Untertage erkundet und als technische Verbesserung vorgeschlagen hatte, womit er sich nach den offiziellen Vorlesungen beschäftigte und wie er bereits in dieser Zeit, d.h. als Student, fachlich nutzbare Ergebnisse erarbeitete.
Eifern Sie den Humboldts in der Aneignung von Wissen, in der Konsequenz bei der Erarbeitung von Neuem (ohne zu plagiieren), in der Beharrlichkeit des Suchens nach Lösungen und im Eintreten für das humanistische Anliegen nach. Dabei müssen Sie nicht zwingend so weit wie Alexander von Humboldt gehen, das Pfeilgift der Indianer, Kurare, an sich selbst auszuprobieren. Aber Sie dürfen Risiken nicht scheuen. Ein Misserfolg und die Lehren daraus sollten stets die Basis für einen Neuanfang sein.So hat es auch Alexander von Humboldt gehandhabt. Trotz seiner manchmal brachial anmutenden Methoden und Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst wurde Alexander von Humboldt fast 90 Jahre alt.
Als Absolventin der Fakultät für Hüttenwesen der Bergakademie Freiberg besitze ich schon langeKontakt zum Bergbau und Hüttenwesen. Ich habe auch (im Nebenfach) eine Prüfung in Nichteisenhüttenkundeabgelegt. Hieran erinnere ich mich heute besonders.
Ich wünsche Ihnen, sehr geehrte Lehrende und Lernende am „Wilhelm und Alexander von Humboldt-Gymnasium“ in Hettstedt, eine hohe Motivation für den Erwerb von Bildung und Wissen sowie viel Erfolg in der täglichen Arbeit und grüße Sie mit
Glückauf
Dr. Udo von der Burg, Studiendirektor i. R., Privatdozent an der TU Dortmund
Gedenktafel am Wilhelm und Alexander
von Humboldt Gymnasium (Hettstedt)
Es liegen mehrere Gründe vor, warum ich mich dafür eingesetzt habe, dass diese Schule den Namen der Brüder Humboldt bekommt. Die Idee dazu entstand zunächst im privaten Kreise hier in Hettstedt. Aber ich muss unbedingt hervorheben, dass der Erfolg auch und maßgeblich den entschlossenen Bemühungen von Herrn Bürgermeister Lautenfeld und Herrn Landrat Schatz sowie der überraschend breiten Akzeptanz dieser Schulgemeinde zu verdanken ist.
Nun zu den Gründen:
Der Wert des Namens Humboldt kann nicht materiell verstanden werden. Entscheidend ist vielmehr, dass junge Menschen aus der Sache heraus motiviert sind, zu gesellschaftlichem Fortschritt beizutragen. Ich zitierte eingangs das Sprichwort: „Ein guter Name ist ein reiches Erbteil“. Von dem französischen Dichter Jean de la Fontaine (1621-1695) stammt eine Fabel, betitelt: Der Bauer und seine Söhne. „Als einst dem Tode nah fühlt’ sich ein reicher Bauer, Rief seine Kinder er allein heran und sagt: „Nehmt euch in acht“ – spricht er – ‚ „verkauft das Erbe nimmer, Das unsrer Väter frommer Sinn Uns ließ: es liegt ein Schatz darin. Zwar weiß ich nicht den Ort; doch ein’ger Mut führt immer Zum Ziel, er hilft zuletzt auch euch zu eurem Schatz. Gleich nach der Ernte grabt nur nach an jedem Platz; Wühlt rings den Acker auf und sorgt, dass allewege Man unablässig Hand anlege.“ – Der Vater starb, die Söhn umwühlten ganz und gar Den Acker, rechts und links, so dass im nächsten Jahr Er reiche Ernte ihnen brachte. Von Geld war nichts zu sehn; allein der Vater dachte Sehr weise, da er sie den Satz Gelehrt: Die Arbeit ist ein Schatz.
Der Schatz, als Symbol verstanden, meint etwas Geheimnisvolles, Kostbares, der Fund eines Schatzes verändert die eigene Lebenswelt, die gesamte Einstellung zum Leben. Das Gedankengut der Humboldts ist ein riesiger Schatz.
La Fontaine, der Dichter, stammt aus der Pikardie, einer Provinz im Norden von Frankreich. Gegenden haben eingeprägte Vorstellungen: In Sachsen-Anhalt ist man Frühaufsteher, im Freistaat Sachsen huldigt man der Gemütlichkeit. In der Pikardie herrscht traditionell die Vorstellung, dass man durch Arbeit zu Ehre und Freiheit gelangt. Arbeit macht aus Träumen und Utopien Wirklichkeiten.
Humboldtsches Gedankengut ist ein riesiger Schatz. Es zu erarbeiten eröffnet Wirklichkeiten und Freiheit. Kein Schüler verlasse mehr diese Schule, ohne sich mit diesem Gedankengut auseinandergesetzt zu haben, und entscheidend ist diese Schrift über die Grenzen des Staats, ihre Urschrift, die hier in Burgörner entstanden ist. Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer, alle Bewohner dieser Stadt und des Mansfelder Landes: Ihr seid des Bauern Kinder: „Verkauft das Erbe nimmer, grabt nach an jedem Platz, bis ihr gefunden habt den Schatz!“ Ob Ihr Geld sehen werdet, weiß ich nicht. Ihr werdet aber reiche geistige Ernte davontragen. Ihr werdet die Wirklichkeit der Welt klar erkennen, und Ihr werdet Ehre und Freiheit gewinnen.