Wilhelm Freiherr von Humboldt

Sein Leben und Wirken

Wilhelm Freiherr von Humboldt

Wilhelm Freiherr von Humboldt
(22.06.1767 – 08.04.1835)

Wilhelm von Humboldt wurde am 22.06.1767 in Potsdam geboren. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Alexander verbrachte er seine Kindheit auf Schloss Tegel. Hier bekamen beide eine qualifizierte schulische Ausbildung durch den privaten Hauslehrer Joachim Heinrich Campe, danach durch Gottlob Johann Christian Knuth, der für bestimmte Fächer auch weitere Lehrer hinzuzog. Hier war vor allem der Philosoph Johann Jacob Engel für beide Söhne von großem Einfluss. So erhielten die beiden Brüder eine breite und ausgezeichnete Ausbildung.

Bereits mit jungen Jahren verkehrte Wilhelm im Berliner Salonleben der preußischen Aufklärung, wo er sich auch dem „Tugendbund“ anschloss, den Henriette Herz gegründet hatte. Ihr gehörte auch Caroline von Dachroeden an. Sein inneres Bestreben war von jeher, dem Vaterland zu dienen. Er begann 1787 das Studium in Frankfurt/Oder, wo er Staatswissenschaft und Jura studierte. 1789 wechselte er an die Universität Göttingen, um seine Kenntnisse in Altertums- und Staatswissenschaft sowie in Philosophie zu vertiefen. Von besonderer Bedeutung für seine späteren Sprachforschungen waren die Vorlesungen bei dem Philologen Christian Gottlob Heyne. Im Revolutionsjahr 1789 unterbrach er sein Studium, um eine Bildungs- und Forschungsreise anzutreten, wie es damals für Angehörige des Adels üblich war. Diese Reise führte ihn nach Aachen, Lüttich und Paris, wo er die französischen Revolutionsereignisse miterlebte. Eine wesentliche Aufgabe sah Wilhelm auch bei seinen weiteren Reisen, die ihn von Paris über Zürich, Stuttgart nach Weimar führte, in dem Kennenlernen der gesellschaftlichen wie auch der alltäglichen Lebensbedingungen der nicht-privilegierten Bevölkerung. Er stellte hierbei durchaus kritische Fragen über den Sinn und Zweck des Staates. Auf allen Reisestationen hatte er engen Kontakt mit den Vertretern des deutschen Geisteslebens. Im Jahre 1790 wurde er Auskultator im Justizdepartement in Berlin und bereits wenige Monate später Referendar am Hof- und Kammergericht. Nach dem zweiten juristischen Examen und der Eignung für den diplomatischen Dienst wurde er im gleichen Jahr (1790) zum Legationsrat ernannt.

Bereits 1791 trat Wilhelm von Humboldt aus dem Staatsdienst wieder aus, um sich seinen eigenen staatsrechtlichen und sprachlichen Forschungen sowie der politischen Publizistik zu widmen. Erwähnenswert ist seine Schrift über die „Ideen der Staatsverfassung“. Am 29.06.1791 heiratete er Caroline von Dachroeden, die seinerzeit zu den bedeutendsten Frauen der Romantik und der Emanzipation gehörte. Sie wurde seine beste Beraterin in allen Lebensfragen und hatte darauf entscheidenden Einfluss, dass sich Wilhelm 1809 an der Reform des preußischen Staates aktiv beteiligte. Diese glückliche und von geistigen Gemeinsamkeiten geprägte Ehe bescherte ihnen 8 Kinder. Auch diese großen Aufgaben hat Caroline als Mutter und Hausfrau auf das Vorzüglichste erfüllt. In jenen Jahren begann in Jena (1794) eine Freundschaft zu Schiller und Goethe, wobei sich eine besonders enge Verbundenheit mit Schiller entwickelte.

Wilhelm von Humboldts Leben war ausgefüllt mit wissenschaftlichen Interessen und sprachlichen Forschungen, aber auch mit diplomatischen Missionen. So wurde er 1801 preußischer Ministerialresident, 1806 – 1808 bevollmächtigter Minister bei der Regierung des Kirchenrates in Rom, 1809 Leiter der Abteilung Kultur und Unterricht im Ministerium des Inneren, 1810 preußischer Gesandter in Wien, 1810 Gründer der Berliner Universität (die er durch Berufung berühmter Gelehrter zu einer der führenden Universitäten Europas machte) und seit 1819 war er Mitglied des Staatsministerrates. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft waren Fürst Karl August von Hardenberg und Wilhelm von Humboldt als preußische Diplomaten von 1814 – 1818 in Frankfurt, Wien, Paris, London und Berlin an der politischen Neuordnung Europas beteiligt.

Bemerkenswert ist, dass Wilhelm keine öffentliche Schule besuchte, sondern von Privatlehrern unterrichtet wurde. So war er während seines Lebens ein Privatgelehrter, der nie den Status eines Wissenschaftlers hatte und auch keinen Zugang zur Universität bekam. Vielmehr stellte er seine Forschungen an Akademien vor, oder sie wurden in Büchern und Zeitschriften publiziert; eine Fundgrube sind die Tausende seiner Briefe. Er schuf das preußische Bildungsmodell mit den 3 Stufen: (1.) Elementarschule mit Allgemeinbildung für alle mit Chancengleichheit für jedes Kind; (2.) Gymnasium mit Abitur und (3.) Universität mit Staatsexamen. Abitur und Staatsexamen waren klare Abgrenzungen und Ziele, aber nie Abschluss, sondern Basis für den lebenslangen Bildungsprozess. „Bildung ist Selbst- bildung, die keiner für einen anderen erbringen kann“.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst 1819 lebte Wilhelm auf den Gütern seiner Frau in Thüringen und in Jena, sowie auf Schloss Tegel. Er widmete sich nun ganz seinen Sprachforschungen, zu denen er seit seiner Jugend eine besondere Zuneigung hatte, – zumal auch eine frappierende Begabung bestand. Seine Sprachforschungen erstreckten sich neben den klassischen Sprachen Latein und Griechisch sowie den westeuropäischen Sprachen auch auf Tschechisch und Ungarisch, ebenso auf Chinesisch und Japanisch. Er erforschte mehrere Indianersprachen sowie malayopolynesische Sprachen und auch das Sanskrit. Wilhelm von Humboldt gilt als einer der größten Sprachforscher seiner Zeit - wohl auch bis heute. Für íhn war „die artikulierte Lautsprache bei allen Menschenarten die entscheidende geistige Kraft, die allen die Fähigkeit gibt, als homo sapiens die sinnlich erfahrene Welt auch geistig zu erfassen, so dass man hierüber mit anderen Menschen sprechen kann; Sprache ermöglicht Fortschritt, Kultur, Religion, Philosophie, Wissenschaften und Forschung, - sie ist der Schlüssel des Lebens“. Anthropologie, Philosophie und Biologie sowie eine integrale, ganzheitliche und energetische Sprachauffassung haben ihn befähigt, neue Wege der Sprachforschung zu zeigen, deren Aufarbeitung viele Sprachforscher schon seit Generationen, und noch bis heute, beschäftigen wird.

Nachdem 1829 seine Frau Caroline verstorben war, übernahm Wilhelm von Humboldt auch wieder öffentliche Funktionen. So war er ab 1829 Vorsitzender der Kommission für die Errichtung des Neuen Museums in Berlin und von 1830 an wieder Mitglied im Preußischen Staatsrat. Er verstarb am 08.04.1835 auf Schloss Tegel bei Berlin und wurde hier auch beigesetzt.

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