Pressemitteilung vom 15.06.2009

Offener Brief

der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.

Die Badischen Neuesten Nachrichten teilten am 5.06.09 unter dem Titel
›Elite-Rennen: Uni-Stuttgart setzt auf ein schärferes Profil‹
mit, daß Rektor Ressel 24 Lehrstühle zu schließen beabsichtigt, darunter 10 geisteswissenschaftliche.

Die Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung, Mannheim, ist empört, wie hier der Bildungsgedanke Wilhelm von Humboldts und die seither geltende bewährte Bildungsgrundlage mit Füßen getreten werden soll. Wir erkennen in einem ambitiösen Elite-Streben, wie es für die Universität Stuttgart dargestellt wird, das völlige Mißverständnis dessen, was die Regierung durch ihr Förderprogramm beabsichtigt, nämlich Verbesserung der im Argen liegenden Bildungsmöglichkeiten und nicht deren Abbau zum Zwecke der Rationalisierung. Tatsächlich geht es hier um nichts anderes als um Geld, dem Bildung geopfert werden soll!

Die vormalige TH Stuttgart hat 1967 den Universitätsstatus erhalten und sich dessen zu Recht jahrelang gerühmt. Aber seit dem Jahr 2003 hält man offenbar die Geisteswissenschaften und darin die Lehramts-Studiengänge für hinderlich und verzichtbar und will nun 10 Lehrstühle streichen. Welche Arroganz und Ignoranz! Wo bleibt denn da die ›Elite‹ und was ist eine Elite-Universität ohne Geisteswissenschaften? Eine Universitas ohne Geisteswissenschaften ist nicht ›exzellent‹ sondern ein Torso und damit inakzeptabel!

Wir wehren uns dagegen, daß mit solchen abstrusen Maßnahmen die ohnehin gebremste Bildung unserer Jugend weiter gedeckelt und den verderblichen Auswirkungen des Bologna-Prozesses zusätzlich der Weg bereitet wird.

Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung

Im Auftrag des Präsidiums
U. Bansemer

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