Künftige Tätigkeit der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V.
Die am 31. Dezember 2009 endende Wahlperiode mit ihren anspruchsvollen Tagungen war eine Zeit des Neuanfangs und der Konsolidierung der Humboldt-Gesellschaft.
Die Aufgaben für die neue Wahlperiode konzentrieren sich zusätzlich auf
- die deutliche Erhöhung der Wirksamkeit der Humboldt-Gesellschaft nach außen
(und das im Kontext mit anderen Institutionen sowie Gesellschaften gleicher Ausrichtung),
- die Steigerung der Attraktivität der Humboldt-Gesellschaft für jüngere Mitglieder sowie
- die eigenständige Bearbeitung inhaltlicher Aspekte in Wissenschaft, Kunst und Bildung.
Diese drei Schwerpunkte beeinflussen sich gegenseitig.
Das Ziel besteht darin, eine moderne Humboldt-Gesellschaft zu werden, ohne die Traditionen zu vergessen.
Die gelegentlichen Kritiken der Vergangenheit, man habe sich eher um schöne und anspruchsvolle Tagungen als um Außenwirkung der Gesellschaft gekümmert, hat das neue Präsidium sehr ernst
genommen in dem Bewusstsein, dass der Bekanntheitsgrad deutlich gestärkt werden muss.
Wie sehr aber mittlerweile außerhalb der Humboldt-Gesellschaft darauf gewartet wird, dass sie sich beispielsweise zu aktuellen Problemen Deutschlands positioniert, zeigt die breite und zustimmende Reaktion auf das im Februar 2009 verfasste Positionspapier zum Bologna-Prozess, das in etwa 200 Exemplaren direkt an Entscheidungsträger, Gesellschaften und Institutionen versandt wurde.
Hier wurde deutlich, was die Humboldt-Gesellschaft tun muss, damit sie sich eben nicht nur selbst genügt, sondern im Sinne der Gemeinnützigkeit etwas bewegt und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Sie wird in Zukunft zu wichtigen Fragen streitbar Stellung beziehen!
Das bedeutet unter anderem, dass
- im kommenden Jahr eine Fortschreibung des Positionspapiers zum Bologna-Prozess vorbereitet wird.
Darin werden die aktuelle Entwicklung, Anregungen der Mitglieder der Humboldt-Gesellschaft sowie Standpunkte anderer Institutionen und Persönlichkeiten einfließen.
Die Bologna-Kontroverse wird weiterhin konstruktiv begleitet;
- eine Analyse des Wirkens von Alexander von Humboldt, die ergeben hat, dass er sich weltweit als erster Umweltschützer profiliert hat, es der Humboldt-Gesellschaft nahelegt, sich auch zu speziellen Problemen des Umweltschutzes zu Wort zu melden.
Es können hier, wie bei Wilhelm v. Humboldt, der humanitäre Hintergrund und das humanistische Ziel herausgestellt werden.
Eine kleine Arbeitsgruppe wird entsprechende Schwerpunkte setzen.
Die Neugestaltung der
Internetplattform hat den Bekanntheitsgrad der Humboldt-Gesellschaft bereits in kurzer Zeit deutlich erhöht.
Eigene fachliche Arbeiten der Mitglieder werden zunehmend zur Veröffentlichung in diesem neuen Medium kommen und die Attraktivität der Website erhöhen, d.h., sowohl die eigene Reputation als auch die Bekanntheit der Gesellschaft stärken.
Die Abhandlungen der Humboldt-Gesellschaft sind schrittweise abwechslungsreicher und seitenweise auch farbig gestaltet worden.
Die Mitglieder erhalten sie nach wie vor kostenlos.
Der immer verbleibende Rest kann bei der Bibliothek der Humboldt-Gesellschaft gegen eine Spende erworben werden.
Die Abhandlungen werden in Zukunft so gestaltet sein, dass sie ebenfalls die Wirksamkeit nach außen deutlich erhöhen, denn sie sind Kostbarkeiten für jedermann!
Mit jedem Band der Abhandlungen soll eine breit gefächerte Öffentlichkeit angesprochen werden.
Die Unterscheidung zu Abhandlungen anderer Institutionen besteht darin, dass in ihnen das Abbild der Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V. vermittelt wird, nämlich mit deutlichem Bezug auf das Wirken von Wilhelm und Alexander von Humboldt.
Dadurch verdeutlichen sie das Anliegen der Humboldt-Gesellschaft auch bei Auftritten in der Öffentlichkeit sowie bei der Mitgliederwerbung.
Es wird angestrebt, die Abhandlungen öffentlichen Bibliotheken für die Ausleihe zur Verfügung zustellen.
Wichtig ist die zukünftige, frühe Einbeziehung junger Persönlichkeiten in die Arbeit.
Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Wirken der Gesellschaft
- an Gymnasien, die den Namen „Humboldt“ tragen,
- an Universitäten und
- der Heranführung junger Mitglieder, die ihren Bildungsweg bereits im wesentlichen abgeschlossen haben, an die Tätigkeit der Humboldt-Gesellschaft.
Jede dieser Personengruppen will anders angesprochen werden, und für jede existieren andere Wege, zur Humboldt-Gesellschaft zu finden.
Diese unterschiedlichen Wege aufzuzeigen und zu realisieren, ist eine Aufgabe der folgenden Jahre.
Persönliche Patenschaften für Studenten wurden bereits übernommen.
Ebenso erfolgten Vorträge an Gymnasien und Universitäten.
Studenten können beitragsfrei Mitglied werden!
Vergünstigungen für die Teilnahme an nationalen Tagungen sind im Gespräch.
Neue, vor allem junge Mitglieder sollen sehr schnell die Möglichkeit erhalten, sich anlässlich der Tagungen der Humboldt-Gesellschaft zu präsentieren.
Die Humboldt-Gesellschaft als Ganzes muss für junge Mitglieder attraktiv werden!
Ein weiteres Vorhaben besteht darin, außerhalb der Tagungen der Humboldt-Gesellschaft lokale Gesprächskreise, die durch eines oder mehrere Mitglieder organisiert werden, ins Leben zu rufen.
Das würde den Bekanntheitsgrad, die Breitenwirksamkeit sowie die Mitgliederwerbung befördern.
Die Themen solcher Veranstaltungen wären von lokalen Interessen geprägt.
Ein oder zwei Vorträge als Initialzündung für eine Diskussion wären hilfreich.
Die Gesprächskreise könnten regelmäßig oder in loser Folge an wechselnden Orten stattfinden.
Die Humboldt-Gesellschaft steht für Wissenschaft, Kunst und Bildung, d.h., die Arbeits-, ja Lebensinhalte ihrer Namenspatrone.
So vielfältig und erfolgreich die Arbeit der Gesellschaft in der Vergangenheit war – wenn man nur an die Lebenswerke von Hanno Beck oder Dietrich Spitta erinnert – so konzentriert wird sich die zukünftige Aufgabenstellung der Arbeitsgruppen u.a. auf das Wirken der Brüder Humboldt beziehen und
- Beiträge zur exakten Darstellung ihres Lebens und ihres Lebenswerkes erarbeiten, weil immer wieder Lücken, Widersprüche und neue Fragen auftreten, und
- untersuchen, welchen Einfluss ihre Arbeits- und Forschungsergebnisse auf die Lösung heutiger gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Fragen haben bzw. haben können.
Natürlich erhebt sich die Frage nach den tatsächlichen Möglichkeiten der Humboldt-Gesellschaft angesichts ihrer relativ begrenzten finanziellen Mittel und personellen Ausstattung:
- Durch die vorhandene und zu verstärkende Reputation kann sie Drucklegungen von fachlichen Aufsätzen und Monografien ihrer Mitglieder unterstützen.
- Durch ihre Kompetenz kann die Humboldt-Gesellschaft wissenschaftliche Arbeiten ihrer Mitglieder oder junger Persönlichkeiten fachlich begleiten.
- Es können auch Unentschlossene zu eigener künstlerischer oder wissenschaftlicher Arbeit ermuntert und dabei unterstützt werden.
Es kann geholfen werden, den Nachlass wichtiger Mitglieder zu sichern.
- Es können sinnvollerweise all die Aktivitäten gebündelt werden, die sich außerhalb der Humboldt-Gesellschaft in mehr ortsgebundenen Einrichtungen und Vereinen vollziehen, wie z.B. Arbeiten in Auleben, Burgörner, dem Mansfeld-Museum oder dem Morassina-Verein.
Hier wird viel Wissen zu Details aus dem Leben der Brüder Humboldt zusammengetragen, das bisher – zerstreut – nur eng begrenzt Beachtung findet.
Diese lokal wirksamen Vereine und Einrichtungen könnten Ansatzpunkte für die Gesprächskreise darstellen.
Eine deutlich umfangreichere, aber sehr wichtige Aufgabe, die in den kommenden Jahren ständiger Begleiter der Humboldt-Gesellschaft sein wird, ist die inhaltliche Mitwirkung bei der Gestaltung des
Humboldt-Forums in Berlin, das im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses entstehen wird.
Der neu gewählte Vizepräsident, Herr Dr. med. Wolfgang Siegfried, wird die Aktivitäten der Humboldt-Gesellschaft hierzu koordinieren.
Zur Mitwirkung werden – so sieht es die Planung vor – Vorträge, Diskussionsforen, ständige Gesprächskreise, Seminare, Weiterbildungsveranstaltungen und künstlerische Beiträge gerechnet, die in Zukunft zu organisieren sind.
Um im Humboldt-Forum und darüber hinaus aber ernstlich wirksam werden zu können, muss die Humboldt-Gesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Bildung e.V. auch in Berlin Präsenz zeigen, ein Hauptstadtbüro einrichten, einen Gesprächskreis in Berlin schon jetzt aufbauen und zu anderen Gesellschaften und Vereinen sowie zur Humboldt-Universität Kontakte aufnehmen.
All die Maßnahmen erfordern viel Kraft zur Durchsetzung und daher die Mitwirkung aller Mitglieder im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
Es wird eine zeitliche Reihung geben müssen, denn die Vorstellungen sind anspruchsvoll und umfangreich.
Sollte die eine oder andere nicht realisierbar sein, werden andere Varianten hinzukommen.
Auf jeden Fall gilt aber das eingangs Gesagte:
Es soll eine moderne Humboldt-Gesellschaft entstehen, die ihre Traditionen nicht vergisst.
21. November 2009
Prof. Dr. Dr. Dagmar Hülsenberg
Koordinatorin des Akademischen Rates